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Arbeitsbelastung, flexible Dienstplanung und die Generation Z

Es ist mitnichten ein neues Phänomen. Bereits in einer Studie in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde deutlich, dass sich Fachkräfte eine flexiblere Dienstplanung wünschen bzw. diese fordern. Seither sind viele Jahre vergangen.

Wo stehen wir heute? Dies mag jede Institution für sich beantworten. Doch klar scheint, dass die Forderungen nach mehr menschengerechter Arbeit angesichts der Personalknappheit aktueller und dringlicher denn je sind.

Und dem könnten Fachkräfte mit Personalverantwortung durchaus positive Aspekte abgewinnen. Die Chance, die darin liegt, ist, dass nun das, was vorherige Fachkräftegenerationen gefordert haben, jedoch nur unzureichend angegangen wurde, nun endlich umgesetzt wird. Manchmal kann Druck auch als Umsetzungsbeschleuniger wirken.

So scheint die Generation Z ein pragmatischeres Verständnis zu Arbeit und Arbeitgebern zu haben. Wohlgemerkt – es scheint hier weniger um mangelndes Engagement zu gehen, sondern vielmehr darum, dass jüngere Menschen verstärkt in ihrem ganzen Menschsein gesehen werden möchten und nicht nur als Arbeitskräfte, die Schichten besetzen sollen.

Und damit geht es um möglichst selbstbestimmtes Arbeiten und um die eigenverantwortliche Gestaltung von Dienstplänen, die den Wünschen und Bedürfnissen von Mitarbeitenden besser gerecht werden.

Vielleicht sind es ja oft eigene Befürchtungen und das Kontrollbedürfnis von Fachkräften mit Personalverantwortung, die dem im Wege stehen. Best Parctice Beispiele – auch in INSOS Mitgliedsorganisationen – zeigen, dass ein hohes Mass an Eigenverantwortung von Mitarbeitenden bei der Gestaltung von Dienstplänen nicht nur deren Zufriedenheit erhöht, sondern auch die Qualität der erbrachten Dienstleistungen steigern kann.

Denn ein wesentlicher Grund für das Ausscheiden aus dem sozialen Arbeitsfeld bzw. für Kündigungen ist die hohe Arbeitsbelastung. Die vorhandenen Spielräume zu nutzen, ist daher nicht nur gegenüber Mitarbeitenden, sondern auch für die Zukunftsfähigkeit von Institutionen entscheidend.

Ein Praxisprojekt der FH Ost hat zudem auf eine gute Art und Weise aufzeigen können, dass es sehr wesentlich ist, dass soziale Organisationen Räume und auch formale Gelegenheiten schaffen, um über Belastungen sprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen zu können.

Zentral scheint hierbei zu sein, dass dies nicht erst beginnt, wenn die Überlastungen bereits z.B. durch Erkrankung von Mitarbeitenden deutlich spürbar sind, sondern es einen kontinuierlichen Austausch über den „ganz normalen" Arbeitsalltag gibt. Dies hat präventiven Charakter und schafft eine offene und vertrauensvolle Kultur, in der es sein darf und gewünscht ist, über Belastungen zu sprechen und sich im Team darüber diese auszutauschen. Fachkräfte mit Führungsverantwortung können hier mit gutem Beispiel vorangehen. Denn die Generation Z stellt auch – zum Glück – so manches Führungsverständnis in Frage, das davon ausgeht, dass Führung bedeutet, immer genau zu wissen „wo es lang geht" und über die eigenen Belastungen, wenn dann nur am Rande und etwas verschämt gesprochen wird.

Der zunehmende Mangel an Arbeitskräften könnte, ohne dessen Ernsthaftigkeit zu negieren und schönzureden, demnach auch als Chance verstanden werden, neue Wege mutig auszuprobieren und zu gehen.

Denn die grösste Stärke des sozialen Bereichs ist, dass er sinnhafte Arbeitsplätze mit Perspektive anbietet. Gepaart mit einem hohen Maß an Gestaltungsmöglichkeiten könnte er in Zukunft gerade für jüngere Menschen eine interessante Alternative zu anderen Arbeits- und Berufsfeldern sein.

Stephan Deininger, Leiter Wohnen
Betula, Romanshorn


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